ADD YOUR SPOT
Research
Zwei Künstler*innenteams, Kronberger & Kronberger und gold extra machen gemeinsam mit Menschen, die in Salzburg wohnen, neue Karten für die Stadt – und damit die Stadt ein Stück mehr zum Zuhause.
Gerade in einer Stadt wie Salzburg, die so stark von touristischen Bildern geprägt ist, stellt die Frage nach den Räumen, die die Menschen vor Ort nützen, besonders drängend.
Die Künstler*innen gehen im Rahmen des Digital Spring Festivals gemeinsam auf Recherche, um im Gespräch mit interessierten Bürger*innen besondere Orte kennenzulernen und Orte darzustellen, die bekannter werden sollen, die versteckt sind oder die überhaupt fehlen.
Eigene Künstlerische Auseinandersetzungen
Am Beginn des gemeinsamen Prozesses stehen drei unterschiedliche Kreise. Im ersten die Projekte, die beiden Gruppen schon im Bereich von Dokumentation von Stadtsituationen gemacht haben. Dazu zählt Reinhold Bidners langjährige street photography Reihe Subtext und Interview- und Fotoprojekte wie Magareden, in dem Bidner Menschen über ihren Stadtteil, den 5. Bezirk Magareten, in Wien befragt hat. Dazu zählen auch Projekte wie Future Rearview von Sonja Prlić und Reinhold Bidner, in dem in einer virtuellen Installation Geschichten aus der Vergangenheit von Salzburger*innen miteinander verknüpft wurden und Wissen über vergangene Orte, gegenwärtige und zukünftige Situationen überlagert wurden. In Stranger Home von Tobias Hammerle wurde eine Busreise in das unbekannte Salzburg inszeniert (Festival Szene) und in Regeln der Stadt von Karl Zechenter wurde aus Interviews spielbare Rollenspielabenteuer, die in Salzburg spielen.
Kronberger & Kronberger haben sich auch in der Vergangenheit mehrfach mit Stadtgeographien beschäftigt...

Von den Situationisten bis zu Critical Mapping.
Karten, Pläne, administrative städtische Einteilungen wurden im 20 Jahrhundert von vielen Seiten institutionaler Kritik unterzogen. Vom Passagenwerk und surrealistischen Stadtbetrachtungen, situationistischen Ortserkundungen, ganzen Kunstformen, wie Land Art, die sich mit der neuen Definition von Orten auseinandergesetzt haben, bis zu de Certeaus Urbanismus und Foucaults Aufstand des Wissens ist der öffentliche Raum ein zentraler Diskursgegenstand geworden. Die kritische Kartographie reicht weit zurück, u.a. beginnend bei den Fragen wie die Realität statistisch in Karten zu repräsentieren ist. Da führt eine Linie von Charles Joseph Minards Karte zu den Feldzügen der Napoleonischen Armee 1812 (1869) zur Entwicklung der Isotypen am Wiener Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum, betrieben von Otto Neurath mit Marie Neurath née Reidemeister und dem Grafiker Gerd Arntz in den Zwanziger Jahren (und später am Isotype Institute in London).
Guy Debords „La société du Spectacle“ hat den Künstler William Bunge mit Kolleg*innen dazu inspiriert The Detroit Geographical Expedition and Institute zu gründen und in diesem Zusammenhang experimentelle „radical cartography“ zu betreiben, ein Begriff mit dem auch heute aktive Gruppen im Feld den Zusammenhang zwischen kartographischer Repräsentation, sozialpolitischer Agenda und gesellschaftlichem Wandel beschreiben, darunter das Counter-Cartographies Collective, Iconoclasistas, and Bureau d'Etudes, Hackitectura (fadaiat), the Institute for Applied Autonomy, Bill Rankin, uvm. Die kritische Kartographie hat in unterschiedlichen Gruppierungen Anfang der 2000er v.a. durch open source tools, neue technische Möglichkeiten und ein neues Verständnis für Veränderungen in Praxen der gesellschaftliche Repräsentation einen starken Aufschwung erlebt. Mit dieser neuen “locative art” und „psychogeographical mapping“ ist auch vielfach der Einsatz von Augmented Reality als Plattform der Sichtbarmachung verbunden.
Unser Research
Am Beginn unserer gemeinsamen Recherche stand die Vorstellung der Projekte. Das Critical Mapping Projekt von Kronberger & Kronberger verbindet persönliche kurze Betrachtungen, die durch Tipps, Gespräche, Interviews zustande kommen und schafft eine Karte des Alltagswissens in Salzburg. SEEDS von gold extra bringt Geschichten und Erlebnisse von Menschen an bestimmten Orten zu einer Reihe von miteinander vernetzten Frage nach Liebe, Freiheit, Sicherheit in einer AR-Installation zusammen, die eine Art von Stadttour ergibt.
In einer ersten Auseinandersetzung haben wir uns mit den Fragestellungen auseinandergesetzt: vor allem in Salzburg als einer Stadt, die sehr intensiv über ihr touristisches Bild definiert wird, das zudem Weltkulturerbe geschützt ist, spielt das eine große Rolle. Wie wirkt sich die festgeschriebene äußerliche Unveränderbarkeit aus? Was macht es mit den Menschen im Stadtleben. In unsere Recherche zeigt sich ein spannender Austausch mit den Stadträndern, mit Orten, die oft zuerst auf den ersten Blick nicht zum Verweilen einladen, mit Nischen in der Stadt.
In der Recherchephase und Interviewphase hat sich dieser erste Eindruck verstärkt und Interviews bislang zeigen eine Bewegung in einen Gürtel rund um die innere Stadt nach außen. Wir haben gemeinsam bewusst versucht uns in der Erstellung der Prototypen auf sehr persönliche – und damit auch nicht statistisch repräsentative – Ebenen zu begeben. Ziel war es in den Prototypen einen Einblick in mögliche psychogeographische Karten von Salzburg zu geben.

Präsentation
Zum Abschluss der künstlerischen Recherche laden die Künstler*innen zur Teilnahme ein. Als Impuls werden Ergebnisse, Geschichten und Skizzen präsentiert und damit jede und jeder eingeladen im Gespräch mit den Künstler*innen Orte, Plätze und Räume zu besprechen, neue Salzburger Stadtpläne zu gestalten – und die Karten neu zu mischen.
Das Ergebnis dieser gemeinsamen Forschung, die in zwei Prototypen, Critical Mapping von Kronberger & Kronberger, sowie SEEDS von gold extra mündete, wird am 20.3. in der Veranstaltung Add Your Spot in der ARGEkultur präsentiert. In der Präsentation wollen wir gemeinsam mit den Anwesenden weitere Punkte einer Stadtgeographie von Salzburg besprechen und in die jeweiligen Karten aufnehmen, sowie der Frage nachgehen, wie sich die Bedürfnisse, die in den Interviews zum Ausdruck kommen sich auf die Stadt auswirken können – und wo die Salzburger*innen tatsächlich zum Baden hingehen wollen.













